Kopieren von Texten aus einem Schullesebuch für den Deutschuntericht

Lehrer Lemke möchte das neueste Gedicht des Schriftstellers S. mit seinen Schülern im Deutschunterricht besprechen. Er findet es in einem Schullesebuch.

Darf er es für alle Schüler seiner Klasse kopieren und verteilen?

Nein!

Lehrer Lemke darf das Gedicht aus dem Schullesebuch für die Schülerinnen und Schüler seiner Klasse nicht ohne Weiteres kopieren. Zwar ist es nach § 53 Abs. 3 S. 1 Nr. 1 UrhG grundsätzlich zulässig, kleine Teile eines Werkes oder Werke geringen Umfanges wie ein Gedicht zur Veranschaulichung im Unterricht für die Schülerinnen und Schüler zu kopieren, soweit dies zu diesem Zweck geboten ist. Jedoch untersagt § 53 Abs. 3 S. 2 UrhG eine Vervielfältigung von Werken, die für den Unterrichtsgebrauch an Schulen bestimmt sind, ohne die Zustimmung des Berechtigten. Da das Gedicht in einem Schullesebuch erschienen und damit explizit für den Unterrichtsgebrauch bestimmt ist, muss Lehrer Lemke vor einer Vervielfältigung den Berechtigten – den Autor oder den Verlag – zuerst um die Erlaubnis bitten.