Vorführung für private Zwecke kopierter Filme im Unterricht

Lehrer Lemkes Freund und Filmliebhaber Steven ist im Besitz einer umfangreichen Film- und Dokumentationssammlung. Um Lehrer Lemke eine Freude zum Geburtstag zu machen, hat er ihm alle Folgen von „Abenteuer Leben“ kopiert. Dieser überlegt nun, ob er die Kopien auch im Unterricht verwenden kann.

Darf Lehrer Lemke die zum privaten Gebrauch angefertigten Kopien im Unterricht vorspielen?

Ja!

Nach der vom remus-Team vertretenen Ansicht darf Lehrer Lemke die kopierten Filme im Unterricht abspielen.
Das Recht, eine Film-DVD zu vervielfältigen steht gemäß § 15 Abs. 1 Nr. 1, 16 UrhG ausschließlich dem Urheber selbst zu. Allerdings hat der Gesetzgeber auch die Interessen der Allgemeinheit berücksichtigt.
Durch § 53 Abs 1 UrhG wird das Recht des Urhebers zugunsten Privater eingeschränkt. Danach ist die Vervielfältigung eines Werkes zum privaten Gebrauch erlaubt, wenn keine offensichtlich rechtswidrige Vorlage verwendet wird. Der Filmliebhaber Steven durfte also seine Filme für seinen Freund Lehrer Lemke kopieren, um sie ihm zum Geburtstag zu schenken.

Die Kopie der Filme wurde zum privaten Gebrauch des Lehrer Lemke angefertigt, soll aber nun im Unterricht zum Einsatz kommen. Ob dies erlaubt ist, ist unter Fachleuten umstritten.
Wir vertreten die Auffassung, dass die zu privaten Zwecken angefertigte Kopie im Unterricht abgespielt werden darf. Eine Einschränkung der Verwendung von Privatkopien enthält § 53 Abs. 6 S. 1 UrhG. Danach dürfen Kopien nicht verbreitet (§ 17 Abs. 1 UrhG) oder zur öffentlichen Wiedergabe (§ 15 Abs. 2 UrhG) benutzt werden. Da die Wiedergabe im Schulunterricht aber nicht öffentlich ist, ist es zulässig, eine rechtmäßig erstellte Kopie im Unterricht abzuspielen.

ACHTUNG!!!

Ein Richter könnte allerdings auch zu dem Ergebnis kommen, dass das Abspielen im Unterricht nicht erlaubt ist, weil privat hergestellte Kopien für immer auch nur privat genutzt werden dürfen. Denn für die Vervielfältigung zum Gebrauch im Unterricht gibt es eine Extra-Norm. Nach § 53 Abs. 3 UrhG dürfen für den Gebrauch im Schulunterricht nur kleine Teile eines Werkes oder Werke geringen Umfangs kopiert werden, nicht aber ein ganzer Film.