Vorführung geliehener und gekaufter Filme im Unterricht

Lehrerin Lore bespricht gerade im Religionsunterricht mit der Klasse 8c die Reformation. Zur Veranschaulichung und als Ansatzpunkt einer Diskussion möchte sie den Film „Luther“ in der Klasse zeigen. Hierzu leiht sie in einer Videothek den Film auf DVD aus.

Darf Lehrerin Lore die ausgeliehene DVD in der Klasse vorspielen?

Ja!


Lehrkräfte dürfen ohne Weiteres gekaufte oder geliehene Filme in ihren Klassen erlaubnis- und vergütungsfrei vorführen. Dem Urheber steht nur bei einer öffentlichen Wiedergabe ein ausschließliches Verwertungsrecht nach § 15 Abs. 2 UrhG zu. Die nicht öffentliche Wiedergabe bedarf dagegen keiner Erlaubnis.Der Begriff der Öffentlichkeit ist in § 15 Abs. 3 UrhG legal definiert. Demnach muss das vorgeführte Werk für eine Mehrzahl von Mitgliedern der Öffentlichkeit bestimmt sein. Maßgeblich für die Abgrenzung, ob eine Öffentlichkeit vorliegt, ist die Verbundenheit der Betroffenen durch persönliche Kontakte. Eine solche Verbundenheit existiert, wenn unter sämtlichen Beteiligten ein enger gegenseitiger Kontakt besteht, der bei allen das Bewusstsein hervorruft, persönlich miteinander verbunden zu sein. Familiäre oder freundschaftliche Beziehungen sind nicht notwendig. Ganz allgemein wird angenommen zwischen Lehrern und Schülern herrsche eine solche enge persönliche Verbundenheit, sodass in Schulklassen und -kursen keine Öffentlichkeit besteht. Davon ging auch der Rechtsausschuss des Deutschen Bundestages bei den Beratungen zur Urheberrechtsnovelle von 1985 aus (BT-Drs. 10/3360, S. 19).

ACHTUNG! Medienvertriebe, die Schulen Filme gegen eine Ausleihgebühr zur Verfügung stellen, haben teilweise eine andere Auffassung (siehe remus aktuell v. 14.10.2004). Sie meinen, die Filmvorführung würde eine nicht private Nutzung im Schulunterricht darstellen. Aber für die Filmvorführung kommt es nur auf das Vorliegen einer Öffentlichkeit an, denn § 15 Abs. 2 UrhG räumt dem Urheber ein ausschließliches Verwertungsrecht nur für eine öffentliche Wiedergabe ein. Es ist demnach nicht entscheidend, dass der Lehrer den Film aus beruflichen Gründen vorführt.