Abspielen einer privat kopierten Musik-CD im Unterricht

Lehrer Lemke ist bei seinem alten Freund und Musikliebhaber Charlie zu einem Jazzabend eingeladen. Die beiden vertiefen sich in die Werke des berühmten Jazzmusikers Miles Davis. Als Andenken an den schönen Abend brennt Charlie die Miles Davis-CD, damit Lehrer Lemke die wunderbaren Klänge auch zu Hause in seiner Freizeit genießen kann. Wenige Wochen später kommt Lehrer Lemke der Gedanke, die Davis-CD im Unterricht zur Besprechung der verschiedenen Musikrichtungen einzusetzen.

Darf Lehrer Lemke die von Charlie gebrannte CD im Musikunterricht abspielen?

Ja!

Nach der vom remus-Team vertretenen Ansicht darf Lehrer Lemke die Davis-CD im Musikunterricht abspielen.
Das Recht, eine Musik-CD zu vervielfältigen steht gemäß § 15 Abs. 1 Nr. 1, 16 UrhG ausschließlich dem Urheber selbst zu. Allerdings hat der Gesetzgeber auch die Interessen der Allgemeinheit berücksichtigt.
Durch § 53 Abs 1 UrhG wird das Recht des Urhebers zugunsten Privater eingeschränkt. Danach ist die Vervielfältigung eines Werkes zum privaten Gebrauch erlaubt, wenn keine offensichtlich rechtswidrige Vorlage verwendet wird. Der Musikliebhaber Charlie durfte also die Miles Davis-CD für seinen Freund Lehrer Lemke brennen, um dessen private Jazz-Sammlung zu erweitern.Die CD wurde zum privaten Gebrauch des Lehrer Lemke angefertigt, soll aber nun im Unterricht zum Einsatz kommen. Ob dies erlaubt ist, ist unter Fachleuten umstritten.
Wir vertreten die Auffassung, dass die zu privaten Zwecken angefertigte Musik-CD im Unterricht abgespielt werden darf. Eine Einschränkung der Verwendung von Privatkopien enthält § 53 Abs. 6 S. 1 UrhG. Danach dürfen Kopien nicht verbreitet (§ 17 Abs. 1 UrhG) oder zur öffentlichen Wiedergabe (§ 15 Abs. 2 UrhG) benutzt werden. Da die Wiedergabe im Schulunterricht aber nicht öffentlich ist, ist es zulässig, eine rechtmäßig erstellte Kopie im Unterricht abzuspielen.

ACHTUNG!!!

Ein Richter könnte allerdings auch zu dem Ergebnis kommen, dass das Abspielen im Unterricht nicht erlaubt ist, weil privat hergestellte Kopien für immer auch nur privat genutzt werden dürfen. Denn für die Vervielfältigung für den Gebrauch im Unterricht gibt es eine Extra-Norm. Nach § 53 Abs. 3 UrhG dürfen für den Gebrauch im Schulunterricht nur kleine Teile eines Werkes oder Werke geringen Umfangs kopiert werden, nicht aber eine ganze CD.

Auf der sicheren Seite: Wenn Lehrer Lemke auf Nummer sicher gehen will, kopiert er das bestimmte Lied der Miles Davis-CD, das er in seiner Schulklasse vorspielen möchte auf eine neue CD und verwendet diese neu hergestellte Kopie in seinem Unterricht. Damit hat er zu Unterrichtszwecken einen kleinen Teil eines Werkes bzw. ein Werk geringen Umfangs vervielfältigt und ist korrekt nach § 53 Abs. 3 UrhG vorgegangen.