Aufnahme und Abspielen einer CD mit Interpretationen klassischer Musik

Das Sommerfest ist nun vorbei und Lehrer Lemke denkt über neue Projekte nach. Er würde gerne eine CD aufnehmen, auf der rhythmische und harmonische Interpretationen klassischer Musikstücke zu hören sind. Diese CD soll dann zur Untermalung schulischer Veranstaltungen, bei denen kein Eintritt verlangt wird und somit kein Erwerbszweck verfolgt wird, dienen. Die Orchestermitglieder erhalten auch kein Entgelt. Darf die CD unter diesen Bedingungen abgespielt werden?

Ja!

Die vom Orchester gespielten Stücke sind zwar selbstständig geschützte urheberrechtliche Werke. Es handelt sich gemäß § 3 S. 1 UrhGum eine Bearbeitung der Musikwerke klassischer Komponisten. Die Instrumentierung der Stücke stellt eine eigene, persönliche Schöpfung dar. Das Orchester trägt nicht lediglich die Musik des Komponisten unverändert vor, sondern stellt sie in einen anderen Zusammenhang und entwickelt sie somit weiter. Für den Zuhörer sind zwar die Züge des Originals erkennbar. Er erkennt aber auch die „Handschrift“ und die eigene schöpferische Ausdruckskraft des Orchesters. Die einzigartige rhythmische und melodische Interpretation des Werkes hebt die Bearbeitung vom Original ab. Es entsteht durch die Interpretation der Musik durch das Orchester eine neue, nicht schon im Originalwerk vorgegebene schöpferische Eigenart der Orchestermusik. Diese rechtfertigt einen urheberrechtlichen Schutz als eigenes Werk.

Deshalb hat das Orchester gemäß § 15 Abs. 2 UrhG das alleinige Recht, Aufführungen des Werkes mittels Bild- und Tonträgern öffentlich wiederzugeben. Darunter fällt gemäß § 15 Abs. 2 Nr. 4 UrhG das Recht der öffentlichen Wiedergabe durch Bild- und Tonträger nach § 21 S. 1 UrhG. Durch das Abspielen der CD greift die Schule in dieses Recht immer dann ein, wenn die Veranstaltung öffentlich ist.

Allerdings hat der Gesetzgeber dieses Recht gemäß § 52 Abs. 1 S. 1 UrhG eingeschränkt. Da und sofern das Abspielen der CD im Rahmen einer Veranstaltung, bei der die Schule keinen Erwerbszweck verfolgt, die Besucher keinen Eintritt zahlen und die Orchestermitglieder kein Entgelt erhalten, erfolgt, ist das Abspielen der CD erlaubnisfrei. Allerdings trifft auch hier die Schule eine Vergütungspflicht nach § 52 Abs. 1 S. 2 UrhG.