Verkauf des Videos

Lehrerin Lore hat die Aufführung des Orchesters mitgeschnitten und Mats, Finn und Matilda haben sich nicht verspielt. Überhaupt war es ein großartiges Konzert und die Aufnahme Video ist gelungen. Lehrerin Lore überlegt nun, ob sie die Videos den Eltern zum Kauf anbieten soll. Muss die Schule gesonderte Nutzungsrechte einholen, wenn sie einen Mitschnitt des Konzerts auf Video den Eltern verkaufen möchte?

Ja!

Da die zeitgenössischen Musikstücke urheberrechtlich geschützt sind und § 52 Abs. 1 S. 1 UrhG nur die unentgeltliche öffentliche Wiedergabe erlaubt, benötigt die Schule für den Verkauf des Videos eine Einwilligung des Rechteinhabers. Bei klassischen Musikwerken bedürfte es einer solchen Einwilligung nicht, da der Urheberrechtschutz von klassischen Werken nach § 64 UrhG erloschen ist.

Wegen des Leistungsschutzrechtes der Orchestermitglieder muss die Schule zudem die Einwilligung des Orchesterleiters einholen. Zunächst einmal ist die Einwilligung zur Erstaufnahme, also zum Videomitschnitt während des Konzerts, erforderlich (siehe Fall oben). Eine rechtmäßige Vervielfältigung setzt eine rechtmäßige Erstaufnahme voraus. Wenn der Orchesterleiter diese Einwilligung erteilt hat, so muss er zudem gemäß § 77 Abs. 2 S. 1 UrhG in das Überspielen der Videokassette und den Verkauf derselben einwilligen. Denn beim Überspielen wird die Darbietung des Schulorchesters nach einer Festlegung auf einem Bild- und Tonträger, dem Erstvideo, auf andere Bild- und Tonträger übertragen und damit vervielfältigt. Zudem werden die Vervielfältigungsstücke durch den Verkauf verbreitet. Da der darbietende Künstler das Recht hat, über den unmittelbaren Wirkungskreis seiner Darbietung selbst zu entscheiden, ist also eine Einwilligung der Orchestermitglieder durch ihren Leiter erforderlich.