Zustimmung bei Aufnahme des Konzertes

Lehrerin Lore beschließt, das Konzert auf Video aufzunehmen, um es archivieren zu können. Die Schüler Mats, Finn und Matilda finden das nicht so schön, weil sie Angst haben, sie könnten sich verspielen. Muss Lehrerin Lore die Orchestermitglieder um Erlaubnis fragen?

Ja!

Auch die Leistungen der ausübenden Künstler werden geschützt, denn sie setzen ein urheberrechtlich geschütztes Werk mit eigenen künstlerischen Mitteln um. Durch die Aufnahme des Konzerts auf Video wird die Darbietung des Orchesters auf einem Bild- und Tonträger festgehalten. Dem müssen die Mitglieder des Orchesters gemäß § 77 Abs. 1 UrhG zustimmen. Für die Einwilligung der Orchestermitglieder spielt es keine Rolle, ob das gespielte Werk geschützt oder gemeinfrei ist. Unerheblich ist es also, ob es sich um Stücke zeitgenössischer oder klassischer Komponisten handelt.Erforderlich ist eine Zustimmung aller Mitglieder des Orchesters. Es wäre aber für das Ensemble unerträglich, wenn ein Mitglied durch Verweigerung seiner Einwilligung die Verwertung des Gesamtwerks verhindern könnte. Deshalb verbietet § 80 Abs. 1 S. 2 UrhG den Mitgliedern, ihre Einwilligung entgegen Treu und Glauben zu verweigern. Das bedeutet, dass ein Mitglied seine Einwilligung nicht grundlos oder aus fadenscheinigen Gründen verweigern darf.

Im Außenverhältnis ist gemäß §§ 80 Abs. 2 UrhG, 74 Abs. 2 S. 2 UrhG der gewählte Vertreter allein vertretungsbefugt. Er kann die Einwilligung für alle Mitglieder erklären. Bei einem Schulorchester besteht jedoch regelmäßig kein gewählter Vertreter. An seine Stelle tritt gemäß § 74 Abs. 2 S. 3 UrhG der Leiter des Orchesters.